Wie ihr vielleicht schon anhand der Fotos sehen konntet, sind wir endlich im “echten” Westen angekommen! In Doss, einem 150-Seelen-Kaff hinter Fredericksburg, fängt laut Presley Arhelger der Westen an. (Presley ist der mit dem großen Cowboyhut – Siehe Fotos hier.) Hier gibt es nichts als Rinder, Rehe, Ziegen und Schafe – und natürlich echte Cowboys. Anstelle von Hunden passen hier Esel und Lamas auf die Herden auf. Im einzigen Laden/Lokal im Ort, dem Doss Country Store, flimmern alte verkitschte Westernserien über den Fernseher in der Ecke. Unter Glasplatten auf den Tischen, an denen man seine Jalapeno-Cheeseburger essen kann, findet man Familienfotos der Einwohner, die zum Teil bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen! Kaum zu glauben, dass dieser Ort von Deutschen gegründet wurde und die älteren Cowboys noch immer Deutsch sprechen! Vergangenen Donnerstag haben wir “nur” einen Kennenlerntag in Doss eingelegt, Montag und Dienstag fahren wir wieder hin, um zu drehen. Drückt uns die Daumen, dass alles klappt, denn die Umgebung ist wirklich toll!
Am Freitag fingen wir ein paar “typische” Texas- bzw. Amerikabilder auf der Guadelupe County Fair in Seguin ein: Rodeo, Hot-Dog Eating Contest, eine geschmacksverirrte Mini-Playback-Show… (Wer “Little Miss Sunshine” gesehen hat, weiss, wovon wir sprechen
Unser “Star” in Seguin war nicht nur dick, sondern trug auch noch ein schreckliches Leopardenmuster-Kleidchen und wurde auf der Bühne unterstützt von ihrer übergewichtigen Mutter im Partnerlook - und mit der zweifelhaften Andeutung von Tanzbewegungen!
Das ganze Event strotzte nur so vor Klischee und Patriotismus. Eigentlich schade, dass die filmischen Bedingungen so schlecht waren (es gab vor allem beim Rodeo am Abend zu wenig Licht). Andererseits bin ich mir sowieso noch nicht ganz im Klaren, wie sich das Material in den Film einfügen wird. Wir werden sehen.
Heute ging’s wieder zurück nach Austin, wo wir beim Oktoberfest der “German-Texan Heritage Society” drehten. Wir begleiteten eine Bus-Tour, die deutsche Gebäude und Historische Orte in Austin abfuhr. Außerdem filmten wir Eindrücke von den Feierlichkeiten der Society und trafen auf zwei weitere potentielle Protagonisten: Rodney Koenig (ein Anwalt aus Houston) und Louise Swanepoel (Germanistik-Studentin an der University of Texas, die beim deutschen Uni-Radio in Austin mitmischt). Mit beiden werde ich weitere Drehtermine vereinbaren.
Nach dem heutigen Tag fühlen wir uns ziemlich ausgebrannt. Wir waren mal wieder den ganzen Tag in der Sonne. Alex hat einen dicken Sonnenbrand (und wahrscheinlich auch einen Sonnenstich). Merkwürdigerweise betonen die Texaner immer wieder, dass der Sommer hier vorbei sei - für uns hingegen ist das Wetter vergleichbar mit dem deutschen Hochsommer! Im Grunde meinen die Leute mit “The Summer is over”, dass es nach der zwei- bis dreimonatigen Hitzewelle endlich schön im Sinne von erträglich warm wird
Ich fühle mich ausgelaugt, weil ich mir bisher noch keinen einzigen Tag Pause gönnen konnte. Morgen drehen wir zwar nicht, dennoch muss ich mich auf wichtige Termine und Interviews in der kommenden Woche vorbereiten und Material sichten. Zumindest haben wir uns heute richtig leckeres Abendessen gegönnt: Sehr gutes Tex-Mex bei “Trudy’s Texas Star” in Downtown Austin. Jetzt sitzen wir vollgefressen in unserem Lieblingscafé – im Mozart’s Coffee Roasters am Lake Austin – und checken Emails (free Wi-fi). Wir sitzen in kurzen Hosen draußen am Wasser auf einer Art Holzsteg, im Hintergrund spielt eine junge Frau Klavier und singt dazu. Ich gebe zu, da könnte glatt ein wenig Urlaubsstimmung aufkommen…
































