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Hanni Archive at Pretzels Polka and the Pursuit Of Happiness

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Ihr seid gefragt!

Obwohl der Film noch nicht geschnitten ist, muss in wenigen Tagen der Filmtitel feststehen… “Cowboys in Lederhosen” war der bisherige Arbeitstitel, und da er inhaltlich nicht ganz korrekt ist (ausgerechnet unser Cowboy trägt keine Lederhosen…) denke ich über eine Änderung nach. Gibt es Vorschläge eurerseits? Oder findet ihr den Arbeitstitel einfach unschlagbar? Ich weiß, ihr kennt den konkreten Inhalt des Films nicht. Aber im Allgemeinen ist es mir wichtig, dass das Zusammentreffen von Deutschland und Texas im Titel klar wird, also höchstwahrscheinlich basierend auf Klischeevorstellungen (Deutschland: Oktoberfest, Dirndl, Lederhosen, Wurst, Pretzels, Bier etc. / Texas: Cowboys, Pickups, Coyoten, Freiheit, Wilder Westen, Guns etc.). Das könnte also in so eine Richtung gehen: “Ein Prosit auf Texas”, “We are all Bavarians”, “Freiheit and Gemuetlichkeit”… Alles nicht so wirklich toll, deshalb meine Frage an euch: Habt ihr Ideen??? Der Titel kann zum Beispiel auch auf einer Redewendung basieren, oder Englisch und Deutsch mischen, was auch immer. Bin für jegliche Denkanstöße dankbar! Gerne auch per Email!

Ausnahmezustand

Ich weiß, ein Update ist schon lange fällig… zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass mich das Sichten, Protokollieren und Organisieren meines Materials in den letzten Wochen regelrecht aufgefressen hat. 88 Stunden Rohmaterial sind eben kein Pappenstiel. Aber jetzt bin ich durch!!! Alles gesehen, alles haarklein notiert, jetzt kann es losgehen mit dem Konzipieren und Schneiden! Nach dem ursprünglichen Zeitplan hätte ich damit bereits vor zwei Wochen anfangen sollen. Aber darüber sollte ich jetzt nicht nachdenken, sondern lieber einfach loslegen mit der Arbeit.

In den letzten Wochen herrschte also Ausnahmezustand - und bis zur Diplomabgabe Ende Januar wird sich das wohl auch nicht ändern. Was das im Konkreten bedeutet, kann man sich ja denken: Nackenverspannungen, viereckige Augen, dreckige Wohnung, Fertigpizza und Nudeln mit Pesto, Rückenschmerzen, Panik-Attacken, Lustlosigkeit, verstärkter Kaffee-, Cola- und Alkoholkonsum, klaustrophobische Anfälle, Vernachlässigung von Familie und Freunden, Appetitlosigkeit, und so weiter und so fort. Völlig überflüssiger Zusatz-Stress blieb mir leider nicht erspart: geschlagene fünf Wochen lang wurde unser Bad aufgrund eines Wasserschadens komplett saniert, in dieser Zeit hatten wir also weder Dusche noch Waschmaschine in der WG. Es kostete Zeit und Nerven ständig zum Duschen und Wäsche waschen außer Haus gehen zu müssen, hinzu kam der tägliche Baustellenlärm ab 8 Uhr früh direkt neben meinem Arbeitszimmer… Staub und Schutt überdeckten schließlich Tag für Tag von Neuem die ohnehin vernachlässigte Wohnung, was aber wenigstens Ausrede genug war, um nicht putzen zu müssen.

Der Blick aus meinem Fenster.5,5 TerraByte.Interviewprotokolle.Überblick verschaffen.Jede Aufnahme wurde katalogisiert und bewertet: 2.141 Einträge in einer Excel-Tabelle.

Eigentlich wollte ich auch sämtliche gedrehte Interviews (insgesamt ca. 18 Stunden gesprochener Text) selbst abtippen… Solche Interviewmitschriften sind extrem wichtig, damit ich anhand der Texte inhaltlich weiterarbeiten kann und die wichtigen Sätze wiederfinde. Diese Arbeit selbst zu erledigen ist sinnvoll, da man währenddessen einen tiefen Einblick in das Material bekommt und bereits bewusst oder unterbewusst selektiert. Dennoch musste ich aus Zeitgründen den Job abgeben… Nena Adamik tippte dankenswerterweise in den letzten zwei Wochen alle Interviews für mich ab - jetzt muss ich die ca. 270 Seiten “nur” noch lesen und auswerten.

Letzten Donnerstag kam Herr Wagner, mein Erstprüfer, aus Stuttgart angereist, um einen Einblick in mein Material zu bekommen. Kaum zu glauben, aber sechs Stunden reichten nicht ganz aus, um einen Überblick über sämtliche Protagonisten und Drehorte zu geben. Dennoch konnten einige Ideen zum Konzept überdacht und neue entwickelt werden.

Leider kann ich es mir nicht leisten zwischen Weihnachten und Silvester ein paar Tage frei zu machen. Fest und Braten beschränken sich also auf das Nötigste. Erstaunlich genug, dass ich es geschafft habe Geschenke aufzutreiben und zu verschicken - was wäre die Welt nur ohne Online-Shopping! :)

In diesem Sinne wünsche ich allen treuen Lesern eine schöne Weihnachtszeit und einen guten Rutsch ins Jahr 2008!

Rückblick und Ausblick

Ich habe in den letzten Wochen unglaublich viel über mich selbst und über das Drehen eines Dokumentarfilms gelernt. Das impliziert natürlich auch, dass ich das Gefühl habe, einiges hätte besser machen zu können…

Letztlich waren fünf Wochen recht knapp bemessen. Denn neben den eigentlichen Dreharbeiten stand auch das Suchen und Finden von geeigneten Protagonisten und Orten an. Und die Strecken in Texas sind eben doch sehr weit. Aber ich will nicht jammern, denn selbst von TV-Sendern finanzierte Dokumentarfilmproduktionen haben oftmals nicht mehr Zeit für Recherche und Dreharbeiten vor Ort.

Ich habe bei Weitem nicht alle Personen treffen können, mit denen ich vorher von Deutschland aus Kontakt aufgenommen hatte. Das wurmt, weil ich das Gefühl hatte, eventuell die spannendste Person oder die perfekte Umgebung zu verpassen. Ich hatte mir vorgenommen, möglichst viele Menschen zu treffen und dann erst die passenden Orte und Personen auszuwählen. Jedoch gestaltete sich dieses Vorhaben bereits in der ersten Drehwoche als äußerst schwierig, da gleichzeitig einige wichtige Events auf dem Terminplan standen, die ich unbedingt besuchen und mit der Kamera festhalten wollte. Außerdem wollte ich auch keine spontanen Gelegenheiten verstreichen lassen, und so fingen wir sofort mit dem Drehen an, sobald wir auf Protagonisten gestoßen waren, die interessant wirkten und mit denen sich gute Drehsituationen ergaben. Das war auch wichtig, um herauszufinden, wie sie sich vor der Kamera verhalten. So sammelte ich Material, während ich eigentlich noch mitten im Recherche- und Auswahlprozess war. Ein notwendiges Vorgehen, was aber auch Zeit und Festplattenkapazitäten kostete.

Im Laufe der ersten Drehhälfte hatte ich einige Personen getroffen, darunter auch die mittlerweile feststehenden Protagonisten. Teils waren diese Treffen nur sehr kurz, so dass ich zwar einen ersten (guten) Eindruck hatte, aber nicht sicher gehen konnte, wie sich die Arbeit mit ihnen noch entwickeln würde und wie sie später im Film zusammenpassen würden. Aus Zeitgründen konzentrierte ich mich dennoch auf sie, anstatt noch weitere Personen und Orte abzuklappern. Ich hatte Glück! Bei keinem der ausgewählten Protagonisten stellte sich im Laufe der Wochen das Gefühl ein, wir seien auf dem Holzweg. Im Gegenteil… Wie und ob sich das Material jedoch am Ende wirklich zusammenfügen, also in eine Dramaturgie und einen Spannungsbogen bringen lässt, werde ich wohl erst im Prozess des Sichtens und Schneidens herausfinden können.

Das Zusammenspiel von Recherche und Dreh ist ein Aspekt, den ich in Zukunft optimieren möchte.

Ein anderer Punkt, bei dem ich mit mir selbst nicht ganz zufrieden war, war die Interviewführung. Meiner Meinung nach eine der schwierigsten Aufgaben des Dokumentarfilmregisseurs. Hier ist das Kennen der Interviewpartner, Einfühlungsvermögen, eine sehr gute Vorbereitung und hohe Konzentration gefragt. Oft stellten sich mir während des Interviews spontane Fragen, und ich versuchte sie der Reihe nach in meinem Hinterkopf zu speichern, zu ordnen und im richtigen Moment abzurufen. Das gelang mir aber nicht immer, stattdessen fielen mir einige dieser Fragen erst später wieder ein, als ich zu Bett ging. Einerseits fehlte es wohl an ausgiebiger Vorbereitung und zum Anderen an Konzentration. Beides Resultate von Zeitmangel und Müdigkeit. Meine ausstehenden Fragen konnte ich zwar zum Großteil bei weiteren Treffen irgendwie unterbringen, aber manchmal war das dann eben nicht mehr der richtige Augenblick oder die passende Stimmung.

Obwohl die Dreharbeiten beendet sind, liegt noch viel Arbeit vor mir. Ich habe gerade angefangen die 88 Stunden Rohmaterial zu sichten. Das Material befindet sich in digitaler Form auf vier externen Festplatten (Maxtor OneTouch III TE) mit insgesamt 5500 GB Speicherplatz. (Wir waren mit drei Festplatten in die Staaten geflogen, mussten uns dann aber noch eine weitere vor Ort kaufen, da der Speicherplatz nicht reichte…) In jeder Maxtor OneTouch arbeiten zwei Festplatten, so dass die Daten automatisch gespiegelt sind. Würden wir auf diese doppelte Sicherung verzichten, wären also eigentlich nur 2250 GB Speicherplatz belegt…

Ich werde die nächsten Wochen damit beschäftigt sein, das Material zu sichten, zu sortieren, organisieren, katalogisieren und Interviews zu protokollieren, bevor ich mit dem Schnitt anfangen kann. Ich spiele mit dem Gedanken, den Film länger als 60 Minuten werden zu lassen. Ein abendfüllender Film zwischen 75 und 90 Minuten wäre toll. Ich bin mir dabei aber bewusst, dass ich das den Zuschauern nur dann antun kann, wenn es das Material tatsächlich zulässt und der Spannungsbogen über eine so lange Zeit aufrecht erhalten werden kann. Es ist also abzuwarten, ob diese Gedanken möglicherweise nur Utopie bleiben.

Bevor ich für heute Schluss mache, möchte ich unbedingt noch ein Buch empfehlen, das mir sehr weitergeholfen hat: “Das Gefühl des Augenblicks. Zur Dramaturgie des Dokumentarfilms” von Thomas Schadt. Es vermittelt wirklich hilfreiche und praktisch anwendbare Informationen zur Theorie und Praxis des Dokumentarfilms - und das in einem verständlichen und lockeren Schreibstil. 2002 zum ersten Mal erschienen und mittlerweile ein Klassiker in der Dokumentarfilmbranche. Ich habe das 300-Seiten-Werk regelrecht verschlungen.

It’s not over yet!

Übrigens… das Blog ist mit unserer Rückkehr von den Dreharbeiten nicht beendet! Ihr werdet weiterhin über das Entstehen meiner Diplomarbeit auf dem Laufenden gehalten. Und es wird bestimmt auch Bilder und evtl. sogar Filmausschnitte zu sehen geben. Also schaut ab und zu mal vorbei, es lohnt sich!

Fazit

  • 10750 Meilen (17300 km) geflogen
  • 3841 Fotos geschossen
  • 4335 Meilen (6977 km) auf texanischen Straßen zurückgelegt
  • 10x bei Starbucks gewesen
  • 12 Nächte in Motels verbracht
  • 35x geduscht
  • 39 Insektenstiche bekommen (Mosquitos, Fire Ants, Spiders…)
  • 88 Stunden Rohmaterial gefilmt
  • 75x „It’s nice to meet you!“ gesagt
  • 13 Tage deutsche Musik gehört
  • 28 Drehtage durchgestanden
  • 22x Fast Food gegessen
  • 1x bei Mc Donald’s gegessen
  • 662x über Dips und Bumps gefahren
  • 17 Nächte bei Sarah in Manor geschlafen
  • 3x Deutschland vermisst
  • 84 Rehe gesehen
  • 5500 Gigabyte Festplattenkapazitäten ausgeschöpft
  • 2 Tage zum Ausspannen gehabt
  • 21 tote Rehe gesehen
  • 99 Liter Kaffee getrunken
  • 10x New Braunfels besucht
  • 3.021.846 Insekten mit der Windschutzscheibe gekillt
  • 25x die Autoscheiben geputzt
  • 34 Burger gegessen
  • 11 Visitenkarten zugesteckt bekommen
  • 5x bei Chili’s gegessen
  • 15 Minuten Luckenbach
  • 6 Tage Houston
  • 4x gekränkelt
  • 46 Stockwerke in weniger als 6 Sekunden gefahren (Fulbright Tower Houston)
  • 2 Stockwerke in mehr als 30 Sekunden gefahren (University of Texas, Austin)
  • 22 Flugstunden abgesessen
  • 8x in Fredericksburg gewesen
  • 1 Mikrofon verloren
  • 36x „May I have the receipt, please?“ gefragt
  • 5x durch den Security Check am Flughafen gejagt
  • 57 Liter Dr. Pepper getrunken (Regular, Diet, Vanilla, Diet Vanilla, Cherry, Cherry Vanilla, Diet Cherry Vanilla)
  • 7 Nächte zu Gast bei Mary und Barry Irwin (New Braunfels) gewesen
  • 116 überfahrene Stinktiere, Hunde, Katzen, Waschbären und Undefninierbares gesehen
  • 0 Armadillos (Gürteltiere) gesehen
  • 824 Liter Benzin für nur 414,39 Euro getankt!
  • 2 Mietwagen runtergenudelt
  • 36 Tage Fleisch gegessen
  • 623 Interviewfragen gestellt

Urlaubsreif!

Unsere letzte Drehwoche hatte es ganz schön in sich. Acht Drehtage am Stück, und zwar in folgender Reihenfolge: Austin, Doss, Austin, New Braunfels, La Grange, Doss, New Braunfels. Schlecht geplant, wird der ein oder andere jetzt vielleicht sagen… Dieser etwas ungute Ablauf ergibt sich jedoch daraus, dass wir versuchen mussten, am Ende noch einmal alle Protagonisten vor die Linse zu holen. Außerdem waren wir an Ereignisse gebunden, wie etwa das Wurstfest in New Braunfels oder die Hunting Party zur Eröffnung der Jagdsaison in Doss. Dennoch: Wir haben’s überlebt und einige wichtige und tolle Bilder einfangen können. Es hat sich also gelohnt!

Zu einigen dieser letzten Stationen habt ihr ja schon ein paar Infos bekommen und Bilder gesehen… Besonders erwähnenswert ist aber natürlich noch das Wurstfest- “the ten day salute to sausage”. Geworben wird auch mit dem Spruch: “The best times are Wurst times”! Hier wird zwar viel Bier getrunken (sogar deutsches Importbier, ist allerdings etwas teurer als amerikanisches Bier), gefeiert wird aber die Wurst. Statt eines Bierfass-Anstichs wird hier eine lange Wurst angebissen… Ich will aber nicht zu viel vorweg nehmen, ihr sollt euch das Spektakel im fertigen Film ansehen. Jedenfalls meinen die Amerikaner, der einzige Unterschied zwischen dem Oktoberfest in München und dem Wurstfest in New Braunfels sei der, dass man bei ihnen Bier nur aus Plastikbechern trinken und nicht auf den Tischen tanzen dürfe. Mal sehen was ihr dazu sagt, wenn ihr den Film gesehen habt. Wir hatten jedenfalls unseren Spaß bei diesem äußerst skurrilen Event. Kleine Anekdote: Als wir Hunger bekamen, verließen wir drei Deutschen übrigens das Fest und gingen bei Chili’s Tex-Mex essen - dabei hätte es vor Ort alle nur erdenklichen Formen von angeblich deutschem Essen gegeben…

Freitag, 2. November: Das Wurstfest wird mit dem traditionellen 'Biting of the sausage' eröffnet.Zehn Tage 'Spass and Gemütlichkeit' im Zeichen der Wurst und mit Bier aus Plastikbechern!...und allerlei bunten Kostümen.Amerikanische Vorstellung dessen, was Deutsche täglich essen: 'Sausage on a stick'!Ich denke, wir können ohne weiteres behaupten, in unserem Leben noch nie soviel Blasmusik (Oompha Music) gehört zu haben wie in den drei Tagen Wurstfest.In New Braunfels trafen wir auch noch mal auf Diane und Bill Moltz, in deren Haus wir am Montag noch ein paar Aufnahmen und ein kurzes Interview drehten.

Am Montag Abend, 5. November 2007, beendeten wir die fünfwöchigen Dreharbeiten. Noch in der Nacht ging’s zurück nach Austin. Unseren letzten Tag in den Staaten verbrachten wir im Großen und Ganzen mit Highspeed-Shopping und Koffer packen. Am Abend gab es noch selbstgemachtes Chili bei Cheryl, Sarah und Kate in unserer Homebase in Manor. Um zwei Uhr nachts waren dann endlich alle Koffer gepackt, zum Teil allerdings mit erheblichem Übergewicht. (Die paar Kilo mehr wurden uns am Flughafen erlassen, trotzdem mussten wir fast 400 Dollar für unsere drei Zusatz-Koffer mit Filmequipment blechen!)

Mittwoch früh verabschiedeten wir uns wehmütig von unseren Gastgebern und von dem tollen Texas-Wetter. Alex und ich hatten einen sehr angenehmen und ruhigen Flug zurück nach Deutschland, Matthias’ Rückflug hingegen gestaltete sich als schwieriger. Sein Flieger hatte anfängliche Probleme mit den Motoren, weshalb sich nicht nur der Start um zwei Stunden verzögerte. Die Maschine konnte letzten Endes auch nicht in der üblichen Reisehöhe fliegen und verbrauchte dadurch mehr Treibstoff als vorgesehen. Statt in New York musste er in Cincinnatti zwischenlanden. Sein Anschlussflug nach Frankfurt konnte zwar umgebucht werden, so dass er kaum später als geplant am nächsten Morgen in Frankfurt eintraf - sein Gepäck blieb in Cincinnatti allerdings auf der Strecke. Glücklicherweise wurden die herrenlosen Koffer nicht gleich wegen Terrorgefahr gesprengt… Mit eineinhalb Tagen Verspätung wurden sie wohlbehalten vor seiner Haustür in Karlstadt abgeliefert. ;)

In Anbetracht dieser Umstände können wir den seltsamen Fluggast, der in unserer Maschine direkt neben uns saß, ja nicht wirklich als störend bezeichnen. Eigentlich ein junger Typ, der einen netten Eindruck machte. Doch schnell stellte sich heraus, dass er mit der Spezies Mensch nicht wirklich viel anzufangen weiß - um nicht zu sagen, dass er Menschen verabscheute. Neben Sätzen wie “Don’t touch me!”, die sich Alex anhören musste, und Situationen, in denen er meinen Fuß angewidert zur Seite stieß, damit dieser unter keinen Umständen auf sein Hoheitsgebit der Sitzreihe rutschen konnte, war immer wieder zu beobachten, wie er kopfschüttelnd und mit verachtendem Blick die anderen Fluggäste beobachtete - sollten diese mal zu laut lachen, zu lange an der Toilette anstehen oder versehentlich etwas fallen lassen. Da hat er sich mit der Economy-Class aber auch dummerweise genau den falschen Ort für seine Lebenseinstellung rausgesucht.

Jetzt sind wir also wieder zurück in Deutschland und wurden gleich von Dauerregen und winterlichen Temperaturen begrüßt, als hätten wir das wirklich vermisst. Nein, haben wir nicht, um das noch mal klar zu stellen! Deshalb weigern wir uns seit unserer Rückkehr hartnäckig, unsere Wintermäntel bzw. -jacken anzuziehen. Nicht mehr lange aber, dann zwingt uns die Kälte in die Knie. Die Auswirkungen des Jetlag meinen wir immer noch zu spüren, aber vielleicht liegt der Grund für unsere Müdigkeit auch am schlechten Wetter. Wir haben’s jetzt schon wieder satt!

Ihr merkt, wir sind nicht so ganz froh darüber, wieder hier zu sein. ;) Dennoch sind wir alle froh, dass der Dreh vorbei ist. Es hat Spaß gemacht, und wir haben die Zeit in Texas sehr genossen, aber die Anstrengungen nach fünf Wochen waren genug: Jetzt fühlen wir uns alle urlaubsreif!

It’s a Wrap!

Am Dienstag morgen zwischen 6:30 h und 9:00 h wurden die letzten Bilder eingefangen…


Am Mittwoch früh ging’s zurück nach Good ol’ Germany. Bald mehr…

Ein paar Worte über Postkarten…

An alle, die in den vergangenen Wochen sehnsüchtig auf Postkarten aus Texas gewartet haben: Es gibt einfach keine Postkarten in Texas! Jedenfalls haben wir sie bisher nicht gefunden (Marktlücke!) - Alles, was es hier gibt, sieht ungefähr so aus wie das Beispiel unten. Und das wollten wir weder uns noch Euch zumuten.
Wir müssen euch dahingehend also leider enttäuschen. Aber mal ehrlich: Wir sind ja sowieso nicht zum Urlaub machen hier, wer kriegt schon Postkarten von Geschäftsreisenden ;)

Ein Tag im Leben…

Am Wochenende hatte ich zum ersten Mal frei! Kein Dreh, keine Interviewvorbereitungen, keine Telefonate mit Protagonisten, kein Material sichten… Das war auch bitternötig nach fast vier Wochen Dauerstress. Ich will euch mal den Ablauf eines Drehtages beschreiben, denn selbst hier vor Ort werden wir verdutzt angeschaut, wenn wir erzählen, dass wir nicht mal Zeit für einen Kinobesuch am Abend finden.

Hier also Beispiel-Drehtag Nr. 20:
Freitag, 26. Oktober 2007
Houston/TX:

  • 7:00 a.m. Continental Breakfast im Motel in Houston: Wässriger Kaffee und 1 Banane pro Person
  • 8:00 a.m. Drehbeginn: Wir fahren immer und immer wieder die Skyline von Houston ab und versuchen im Berufsverkehr vom Highway aus einigermaßen unverwackelte Aufnahmen aus dem Auto heraus zu machen.
  • 10:00 a.m. Wir lassen das Auto in einem teuren Parkhaus Downtown stehen und machen uns mit Kamera und Stativ auf die Suche nach geeigneten Motiven in der Innenstadt, möglichst ohne uns von Security Officern oder Policemen erwischen zu lassen.
  • 12:30 p.m. Mit knurrenden Mägen suchen wir das nächstgelegene Fast Food Restaurant auf: Wendy’s. Während wir in einer recht langen Schlange warten, suchen wir uns unsere Burger-Combos raus. Ich bestelle natürlich wieder ein Sandwich, das sonst anscheinend nie jemand bestellt, jedenfalls dauert es geschlagene 15 Minuten bis es fertig ist. Alex und Matthias haben ihre Burger zu dem Zeitpunkt natürlich längst schon verdrückt. Ich schiebe mir also schnell das Sandwich zwischen die Zähne und trinke mein Dr. Pepper im Auto aus.
  • 01:00 p.m. Wir fahren in das Stadtviertel, in dem Rodney und Mary Koenig wohnen. Wir sammeln Schnittbilder vom Haus von außen und der umliegenden Neighborhood.
  • 02:00 p.m. Wie ausgemacht, kommen Mary und Rodney heute für uns früher als sonst nach Hause. Während sie sich umziehen, bauen wir unser Equipment für ein ausführliches Interview im Wohnzimmer auf. Mit Lichtaufbau und der Verlegung von Ansteckmikros dauert das rund 40 Minuten.
  • 03:00 p.m. Wir beginnen mit dem Interview, wissend, dass Mary sich bereits um 5 Uhr wieder fertig machen muss, um beim Aufbau einer am Abend stattfindenden Charity-Party zu Gunsten der Bach Society zu helfen.
  • 05:00 p.m. Mary wird aus dem Interview entlassen und geht sich umziehen. Wir bauen für ein Einzelinterview mit Rodney um.
  • 05:30 p.m. Interviewbeginn mit Rodney.
  • 06:30 p.m. Rodney zieht sich für die Charity-Party um und fährt los. Er überlässt uns die Schlüssel für das Haus, damit wir später nachkommen können. Die Party beginnt um 7 p.m. und wir wollten eigentlich pünktlich da sein, um den Auftritt einer deutschen A Capella Gruppe nicht zu verpassen… Aber wir müssen erst noch Schnittbilder im Innern des Hauses drehen, da wir keine Zeit haben werden, noch einmal nach Houston zu fahren. Die Pause, die längst vorgesehen (und auch nötig) ist, ist übrigens gestrichen.
  • 07:15 p.m. Wir packen unser Equipment zusammen, holen unsere Anzüge aus dem Auto und werfen uns innerhalb weniger Minuten in Schale. Auf der Einladung heißt es: Cocktailkleid oder Business Attire.
  • 07:30 p.m. Für die Snacks, die uns Mary als Trost für die gestrichene Pause in die Küche gestellt hat, ist keine Zeit mehr. Wir sehen zu, dass der Hund und die Katzen nicht mit davon laufen, während wir unser Equipment packen und düsen los.
  • 07:45 p.m. Ankunft beim Haus der Charity-Veranstaltung. 45 Minuten Verspätung. Wir laden unser Equipment aus und platzen mitten in die Gesangsdarbietung des Ensemble “Amarcord” aus Dresden rein. Kamera und Mikro an und los! Wir kommen gerade noch rechtzeitig, um wenigstens die Darbietung der letzten beiden Stücke festzuhalten. Danach fangen wir noch Bilder der Räumlichkeiten (eindrucksvolles Haus!) und der Partygäste ein, speziell von unseren Protagonisten. Natürlich werden wir allen möglichen Leuten vorgestellt, die uns immer wieder darauf hinweisen, dass wir uns doch auch was vom Buffet nehmen sollen… welches übrigens vorzüglich aussieht (italienische Antipasti und Tiramisu). “Thank you, but we have to work first! We’ll grab something later.” (Danke, aber wir müssen erst arbeiten, wir nehmen uns dann später was.) ist mittlerweile unser Standardspruch auf solchen Veranstaltungen geworden.
  • 09:45 p.m. Drehschluss! Die meisten Gäste sind bereits gegangen, die letzten sind gerade im Aufbruch. Wir kratzen die Reste vom Buffet zusammen und sitzen auf einem Sofa im Wintergarten - eine zerknautschte, ehemals Appetit anregende Tiramisu auf dem feierlich gedeckten Tisch neben uns. Die Bediensteten spülen die letzten Gläser und räumen nach und nach auch das Dessert weg. Viel geht in unsere Mägen eh nicht rein, nachdem das Mittagessen über 9 Stunden zurückliegt. Dann wird uns noch ein Six-Pack Beck’s Light zugesteckt, das man hierzulande aber nicht mal als Beifahrer während der Fahrt trinken darf. Alkoholische Getränke dürfen im Auto nur ungeöffnet mitgeführt werden.
  • 10:30 p.m. Equipment zusammenpacken und Aufbruch nach Austin. Die ersten zwei Stunden fahre ich, dann übergebe ich um 00:30 a.m. das Steuer an Alex, der die zwei Stunden schon mal vorgeschlafen hat erfolglos versucht hat, ein wenig zu schlafen.
  • 01:30 a.m. Ankunft in unserem Hauptquartier in Manor (bei Austin). Wir fallen hundemüde ins Bett und freuen uns auf ein komplett drehfreies Wochenende…

Das Wochenende wurde dann endlich mal sinnvoll genutzt: Shopping! ;) Die Klamotten sind hier zum Großteil wirklich billiger als bei uns in Deutschland - es lohnt sich also. Trotzdem ist Shoppen nicht mit Ausspannen vergleichbar, was vielleicht auch mal nicht schlecht gewesen wäre. Es hat trotzdem Spaß gemacht. Außerdem war endlich mal Zeit, die Abende mit Sarah zu verbringen. Da bin ich nun schon seit Wochen ihr Gast, die Augenblicke, die wir uns in dieser Zeit über den Weg gelaufen sind, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Am Sonntag gab’s Dinner im Tokyo Steakhouse: Ein Samurai-aehnlicher Koch bereitet das Essen direkt am Tisch zu - inklusive flammendem Inferno - was schon fast als Performance Kunst bezeichnet werden kann ;) Auch das Publikum wurde miteinbezogen, also wir. Unsere Disziplin: “Flying Tokyo Shrimps” - Samurai-Koch wirft - wir fangen! Und zwar nur mit dem Mund! Mit Ausnahme von Matthias sind wir dabei allesamt klaeglich gescheitert. Alex’ Brille sah hinterher ungefaehr so aus wie die Windschutzscheibe unseres Mietwagens, nachdem wir durch das insektenreiche Ranchland hinter Fredericksburg gefahren sind.


Wenn wir uns nach diesem Wochenende zwar nicht unbedingt körperlich fitter fühlen, so doch zumindest seelisch. Mit guter Laune ging’s am Montag nach Downtown Austin, wo wir nochmals die beiden Studentinnen Erin und Louise auf dem UT Campus trafen. Und am Abend weiter nach Fredericksburg, wo wir Dienstag früh auf der Ranch von Presley und Vernell Arhelger drehen werden.

Yeehaw und gute Nacht!

Zwischen den Welten

Ja, ich weiß… ich schreibe zu selten. Shame on me! Ich hatte ja so meine Zweifel als Alex dieses Blog eingerichtet hat, da ich irgendwie wusste, dass es schwierig werden könnte, es auch zu füttern. Ich hatte die vergangene Woche absolut keine Zeit zum Schreiben, was mir sehr leid tut. Ehrlich! Aber eigentlich könnt ihr euch nicht beschweren, denn immerhin bemüht sich zumindest der Herr Produzent, spät nachts noch Bilder hochzuladen, wenn meine Äuglein schon zugefallen sind.

Die vergangene Woche bestand aus ziemlich vielen Ortswechseln: Wir waren in Doss, Fredericksburg, New Braunfels, Austin und Houston. Wir filmten acht Tage am Stück. Dabei machte uns tatsächlich ein paar Mal das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn wenn’s in Texas doch mal regnet, then it’s raining cats and dogs!

Ich interviewte unter anderem Vernell und Presley (unser Rancher-Ehepaar in Doss), sowie Bill und Diane in ihrem Haus in New Braunfels. Außerdem zeigte uns Presley seine Rinder, Ziegen und Wildschweine – und ließ uns mal wieder auf seinem Pickup Truck über Stock und Stein quer durch die Prärie mitfahren.

In New Braunfels filmten wir die Vorbereitungen für das Wurstfest, wobei Matthias am darauffolgenden Tag noch einmal von Austin nach New Braunfels düsen musste: Arbeitsteilung war angesagt; während ich in Manor Material sichtete und Termine mit Protagonisten vereinbarte, und Alex am Drehbuch für seinen Diplomfilm schrieb, fing Matthias Bilder vom Aufbau auf den Wurstfest Grounds ein.

In Austin trafen wir auf die beiden Germanistik-Studentinnen Louise und Erin, die für die deutsche Show im Uni-Radio verantwortlich sind. Wir durften mit ins Studio und hörten seit langem mal wieder deutsche Radionachrichten (Deutsche Welle), vorgelesen von Louise. Die beiden sehen die Radioshow vor allem als Gelegenheit ihr Deutsch zu üben und den anderen Studenten junge deutsche Musik schmackhaft zu machen. Ein Interview mit den beiden ist für kommenden Mittwoch angesetzt.

Am Samstag ging es auf eine Ranch nach La Grange zu einem Familienfest der Koenig Family. Rodney Koenig ist Anwalt in Houston und wir lernten ihn und seine Frau Mary in den vergangenen Tagen besser kennen. (Kleine Randbemerkung: Mary ist Englischlehrerin, und eine ihrer ersten Schülerinnen vor ein paar Jahrzehnten in Beverly Hills war… Carrie “Prinzessin Leia” Fisher. Deshalb hat sie auch einen Korb voll original verpackter “Star Wars”-Figuren in ihrem Esszimmer stehen – eigentlich für die Enkel, aber “Star Wars”-Fan Matthias durfte sich später auch eine mitnehmen…)

Wie ihr bereits den Bildunterschriften entnehmen konntet, waren wir am Samstag Abend auf dem “Consular Ball” im Intercontinental Hotel in Houston eingeladen, bei dem Rodney und Mary repräsentative Aufgaben hatten. Auf dem diesjährigen Ball wurde Deutschland geehrt, was wohl nur alle 15 Jahre passiert. Hier trafen sich vor allem Konsule aus verschiedenen Ländern und wichtige Personen aus der Wirtschaft. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen war Ehrengast und der deutsche Generalkonsul Rainer Münzel gab uns seine Telefonnummer. Unser Fazit nachts um Null Uhr: Nach einer gewissen Menge Alkohol sind alle Menschen gleich – egal ob reich oder arm, Prinz oder Student. Außerdem hatten wir an dem Abend noch einen kleinen persönlichen Triumph: Wir waren technisch besser ausgestattet als das Filmteam des Discovery Channels, welches uns hin und wieder im Weg herum stand! ;)
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