Ja, ich weiß… ich schreibe zu selten. Shame on me! Ich hatte ja so meine Zweifel als Alex dieses Blog eingerichtet hat, da ich irgendwie wusste, dass es schwierig werden könnte, es auch zu füttern. Ich hatte die vergangene Woche absolut keine Zeit zum Schreiben, was mir sehr leid tut. Ehrlich! Aber eigentlich könnt ihr euch nicht beschweren, denn immerhin bemüht sich zumindest der Herr Produzent, spät nachts noch Bilder hochzuladen, wenn meine Äuglein schon zugefallen sind.
Die vergangene Woche bestand aus ziemlich vielen Ortswechseln: Wir waren in Doss, Fredericksburg, New Braunfels, Austin und Houston. Wir filmten acht Tage am Stück. Dabei machte uns tatsächlich ein paar Mal das Wetter einen Strich durch die Rechnung, denn wenn’s in Texas doch mal regnet, then it’s raining cats and dogs!
Ich interviewte unter anderem Vernell und Presley (unser Rancher-Ehepaar in Doss), sowie Bill und Diane in ihrem Haus in New Braunfels. Außerdem zeigte uns Presley seine Rinder, Ziegen und Wildschweine – und ließ uns mal wieder auf seinem Pickup Truck über Stock und Stein quer durch die Prärie mitfahren.
In New Braunfels filmten wir die Vorbereitungen für das Wurstfest, wobei Matthias am darauffolgenden Tag noch einmal von Austin nach New Braunfels düsen musste: Arbeitsteilung war angesagt; während ich in Manor Material sichtete und Termine mit Protagonisten vereinbarte, und Alex am Drehbuch für seinen Diplomfilm schrieb, fing Matthias Bilder vom Aufbau auf den Wurstfest Grounds ein.
In Austin trafen wir auf die beiden Germanistik-Studentinnen Louise und Erin, die für die deutsche Show im Uni-Radio verantwortlich sind. Wir durften mit ins Studio und hörten seit langem mal wieder deutsche Radionachrichten (Deutsche Welle), vorgelesen von Louise. Die beiden sehen die Radioshow vor allem als Gelegenheit ihr Deutsch zu üben und den anderen Studenten junge deutsche Musik schmackhaft zu machen. Ein Interview mit den beiden ist für kommenden Mittwoch angesetzt.
Am Samstag ging es auf eine Ranch nach La Grange zu einem Familienfest der Koenig Family. Rodney Koenig ist Anwalt in Houston und wir lernten ihn und seine Frau Mary in den vergangenen Tagen besser kennen. (Kleine Randbemerkung: Mary ist Englischlehrerin, und eine ihrer ersten Schülerinnen vor ein paar Jahrzehnten in Beverly Hills war… Carrie “Prinzessin Leia” Fisher. Deshalb hat sie auch einen Korb voll original verpackter “Star Wars”-Figuren in ihrem Esszimmer stehen – eigentlich für die Enkel, aber “Star Wars”-Fan Matthias durfte sich später auch eine mitnehmen…)
Wie ihr bereits den Bildunterschriften entnehmen konntet, waren wir am Samstag Abend auf dem “Consular Ball” im Intercontinental Hotel in Houston eingeladen, bei dem Rodney und Mary repräsentative Aufgaben hatten. Auf dem diesjährigen Ball wurde Deutschland geehrt, was wohl nur alle 15 Jahre passiert. Hier trafen sich vor allem Konsule aus verschiedenen Ländern und wichtige Personen aus der Wirtschaft. Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen war Ehrengast und der deutsche Generalkonsul Rainer Münzel gab uns seine Telefonnummer. Unser Fazit nachts um Null Uhr: Nach einer gewissen Menge Alkohol sind alle Menschen gleich – egal ob reich oder arm, Prinz oder Student. Außerdem hatten wir an dem Abend noch einen kleinen persönlichen Triumph: Wir waren technisch besser ausgestattet als das Filmteam des Discovery Channels, welches uns hin und wieder im Weg herum stand! ![]()
Am Sonntag spielten die Houston Texans gegen die Tennessee Titans und wir verfolgten das Footballspiel im Fernsehen bei Freunden von Rodney und Mary mit. Ich glaube es war ihnen etwas unangenehm, dass Houston das Spiel vor unserer laufenden Kamera verlor – allerdings nur knapp!
Am Montag bekamen wir eine kleine Führung durch Rodney’s Büro mitten in Downtown Houston. Er arbeitet im Fulbright Tower im 47. Stockwerk als Partner der Anwaltskanzlei Fulbright & Jaworski. Von außen sieht das Gebäude ja ziemlich pompös aus, erstaunlich wie klein die Büros im Inneren sind… dafür ist der Blick aus dieser Höhe natürlich schon ganz “nett”.
Grundsätzlich muss ich sagen, dass es unglaublich ist, wie gastfreundlich hier alle sind. Wir wurden schon einige Male zum Mittag- oder Abendessen bei Protagonisten eingeladen, ganz zu schweigen von den Angeboten umsonst zu übernachten. Natürlich ist es manchmal schwierig solche Angebote anzunehmen, da man darauf achten muss, nicht alles schon vor dem Dreh erzählt zu bekommen. Ein freundschaftliches Verhältnis ist zwar wichtig, um das Eis zu brechen, dafür wird es dann aber mühsam später spontane Antworten oder Geschichten herauszukitzeln.
Gestern hatten wir übrigens auf den vollgestopften Straßen in Houston den obligatorischen Autounfall. Warum obligatorisch? Bei der Straßenführung und Verkehrsdichte in dieser Millionenstadt lassen sich Unfälle dieser Art kaum vermeiden… Da ich selbst nicht dabei war, berichtet Matthias bald selbst davon. Aber keine Bange, es ist nichts Schlimmes passiert…
Heute haben wir versucht ein paar Aufnahmen von der Innenstadt zu machen, ihr wisst schon, Skyscrapers und so. Es stellte sich mehr oder minder als Katz- und Mausspiel heraus, denn sobald man in Houston eine Kamera irgendwo aufbaut, dauert es keine zwei Minuten bis ein Security Officer auftaucht und nach einer Genehmigung fragt. Natürlich war uns das vorher klar und wir hatten auch bereits von Deutschland aus versucht, Drehgenehmigungen für Houston zu bekommen. Allerdings hielt es die Houston Film Commission nicht für nötig auf unsere mehrmaligen Anfragen zu antworten. So standen wir heute also immer wieder scheinbar unschlüssig an diversen Straßenecken herum, bauten dann blitzschnell unser Stativ auf und filmten drauf los, während einer von uns nach den vielen Wachposten Ausschau hielt. Sobald sich die Gefahr näherte, war das Equipment auch schon wieder zusammengepackt und wir schlenderten wie Touristen munter pfeifend weiter…
In Houston konnte ich mir noch einen ganz persönlichen Wunsch erfüllen: Ich traf Khata, eine alte Schulfreundin wieder, die ich seit meinem letzen Besuch in Texas, also seit vier Jahren, nicht mehr gesehen hatte. Sie besuchte 1999/2000 dieselbe Highschool wie ich, auch als Austauschschülerin. Khata stammt aus der Mongolei und lebt nun seit ihrem Austauschjahr hier in Texas.
So, nun können wir schon Lichter sehen – ich habe diesen Blogeintrag abends während der Fahrt von Houston nach Austin geschrieben. Die Fahrt dauert immerhin drei Stunden. Bald sind wir zurück in Austin, wenn auch nur für eineinhalb Tage. Danach geht’s nochmal “kurz” nach Houston. (Man muss sich eben nach den Terminplänen der Protagonisten richten.)



























“Guerilla-Filmmaking” - genauso haben wir letzte Woche in Rom gedreht, dort braucht man auch für jedes Viertel eine eigene Drehgenehmigung. Regisseur an der einen, Kameraassi an der anderen Ecke und wenn die Carabinieri auftauchen pfeifend in der Menge untertauchen ;o)
Laßt euch nicht erwischen - und für den Notfall immer ein leeres Tape in der Nähe der Kamera haben!