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P2-Technik beim Dokumentarfilm (Teil 1) at Pretzels Polka and the Pursuit Of Happiness



P2-Technik beim Dokumentarfilm (Teil 1)

Weil wir mit “Cowboys in Lederhosen” nicht nur geographisch, sondern auch technisch gesehen Neuland betreten, will ich mal ein paar Worte zum Thema HD-Dreh, P2-Technik und Workflow los werden. Also eine Menge technisches Mambojambo, um das alle Nicht-Interessierten im besten Fall einen weiten Bogen machen.

Zu den Basics: Wir drehen mit einer Panasonic HVX200E im P2-Format, d.h. wir zeichnen nicht auf Videoband auf, sondern auf Speicherkarten. Wochenlang hatten wir uns im Vorfeld mit dem Handling der Daten und der Formatvielfalt bei HD-Video auseinandergesetzt. Vieles ist neu und unerprobt – nicht nur für uns, sondern wohl auch für andere. Erfahrungsberichte sind noch rar und die Meinungen gehen in alle Richtungen. Fragen kamen auf: Wie geht man mit der riesigen Datenmenge um, deren Größe gerade beim Dokumentarfilm schwer einzuschätzen ist? Wie viel Speicherplatz wird nötig sein, um ein vernünftiges Drehverhältnis zu erzielen? Wie sichert man die Daten mindestens zweifach ab? Wie lange dauert die Datenübertragung bei der Sicherung? Wer führt Buch über die Daten, kümmert sich um die Sicherung, das Abladen und Neuformatieren der Karten? Wie und wo kann man Material vernünftig sichten?

Bei all diesen Fragen muss zusätzlich noch beachtet werden, dass wir für die Dauer der Dreharbeiten keine stationäre Homebase haben: Wir sind mobil, können Daten also nicht auf stationären Rechnern sichern, sondern müssen ein System finden, das sich Abend für Abend schnell aufbauen und einfach bedienen lässt, das leicht und transportabel ist.


Uns stehen zur Aufzeichnung 4 P2-Karten á 8 GB zur Verfügung sowie Panasonics mobiles Festplattenlaufwerk AJ-PCS060G (das so genannte P2Store mit 60 GB Speicherplatz) und ein Focus FS-100 FireStore (mit 100 GB, deutscher Vertrieb durch die Como GmbH). Wir kommen also auf 192 GB Speicherkapazität, bis alle Karten, das P2Store sowie das FireStore randvoll sind – und wir gezwungen sind, diese Daten auf einen permanenten Speicher zu übertragen. Wieviel 192 GB in Minuten sind hängt vom HD-Format ab.

Die HVX200 bietet eine Reihe von DVCPRO HD-Formaten:

  • 1080/50i
  • 1080/25p
  • 720/50p
  • 720/25p (over 50p)
  • 720/25pN

Klingt nach Qual der Wahl, doch die Entscheidung für eines dieser Formate fiel uns nicht schwer. Ausschlaggebende Faktoren waren für uns:

  • der progressive Vollbildmodus
  • die Möglichkeit mittels variabler Frameraten Zeitlupen- bzw. Zeitraffer-Aufnahmen realisieren zu können
  • die Aufnahmedauer von 192 GB möglichst ausreizen zu können

Variable Frameraten liefert die HVX200 in den Formaten 720/50p sowie 720/25pN, womit nur noch zwei Formate zur Auswahl standen. Was die Speicherkapazität angeht: Sowohl in den 1080er-Formaten als auch bei 720/50p bietet eine 8GB-P2-Karte Platz für ca. 8 Minuten HD-Rohmaterial, also ca. 192 Min. mit den diversen mobilen Festplattenlaufwerken. Ausschließlich im Format 720/25pN kann man bei der gleichen Speichermenge die doppelte Minutenzahl unterbringen, also 16 Min. je 8GB-P2-Karte bzw. rund 384 Min. – das entspricht mehr als sechs Stunden Aufnahmedauer, die uns theoretisch zur Verfügung stehen würden, bis wir die Daten auf eine permanente Festplatte übertragen müssten. Mehr als genug, auch für einen Dokumentarfilm.

Wir entschieden uns also für das Format 720/25pN, wobei das N für Native steht, also für einen nativen 25p-Modus, bei dem auch tatsächlich 25 Vollbilder je Sekunde gespeichert werden. (Anders als bei 720/50p oder 720/25p (over 50p), wobei je nach Framerate diese auf 50 Vollbilder/Sekunde umgerechnet und aufgezeichnet wird, was hinterher eine Framerate-Konvertierung auf 25 Bilder/Sekunde notwendig macht.)

Bevor wir zu dieser Entscheidung kamen, und auch aus Budget-Gründen noch nicht ganz klar war, welche Speichermöglichkeiten uns abgesehen von den 4 Karten noch zur Verfügung stehen würden, hatten wir einige Workflow-Modelle gedanklich durchgespielt. Aufgrund der Problematik der großen Datenmengen hatten wir von Anfang an auch noch SD-Formate wie DVCPRO und MiniDV in Betracht gezogen. Wer einen Blick in unsere Workflow-Überlegungen werfen möchte, kann sich hier ein PDF mit diversen Modellen downloaden. Von Beginn an war klar, dass wir externe Festplatten mitführen müssen, um die Daten darauf permanent sichern zu können. Im PDF wird deutlich, dass bei doppelter Sicherung der Daten und bestimmten Drehformaten bis zu 10 externe 500 GB-Festplatten nötig gewesen wären, um ein vernünftiges Drehverhältnis zu erzielen! Allein das wäre praktisch schon an den Transportmöglichkeiten im Flugzeug-Handgepäck gescheitert.

Für “Cowboys in Lederhosen” wird eine Länge von 60 Minuten angestrebt, und wir haben uns aus Budgetgründen und aufgrund der Transportmöglichkeiten für 2 Terrabyte (TB) Datenspeicher entschieden, was in etwa 62 Stunden Rohmaterial, also einem Drehverhältnis von 1:62 entspricht. Während Spielfilme mit einem Drehverhältnis zwischen 1:6 und 1:12 in der Regel auskommen, lässt sich das Drehverhältnis beim Dokumentarfilm immer schwer einschätzen. In unserem Fall kam erschwerend hinzu, dass im Vorfeld nicht feststand, was und wen wir alles treffen, interviewen, begleiten und filmen werden. Irgendwo muss aber eine Grenze gezogen werden, und 62 Stunden erschienen uns als vernünftige Menge an “Rohmaterial”. (Man merkt bereits, dass das Drehen mit P2-Technik ein Umdenken in den klassischen Begrifflichkeiten erfordert, denn während Film oder Videotapes tatsächlich das Rohmaterial “sind”, aus denen später das gedrehte Material “wird”, so handelt es sich bei dieser Technik nur um Zwischenspeicher, die das Material temporär transportieren. P2-Karten werden gefüllt, abgeladen, formatiert und erneut gefüllt. Das Material selbst ist nicht mehr länger greifbar.)

Materialsicherung & -transport

2 TB = 4 TB, um alles doppelt sichern zu können. Hatten wir dafür ursprünglich 8 externe Festplatten á 500 GB eingeplant, stießen wir drei Wochen vor Drehbeginn auf ein spezielles Festplattenlaufwerk von Maxtor, das uns einiges erleichtern sollte: Die Maxtor OneTouch III Turbo Edition. Eine OneTouch III beherbergt zwei Festplatten á 750 GB, die sich intern als RAID-1 schalten lassen. Das heißt, statt der 1,5 GB Gesamtspeicherleistung stehen “nur” 750 GB je OneTouch III zur Verfügung, diese werden aber zur Sicherung automatisch gespiegelt. Fällt eine der beiden eingebauten Festplatten aus, sind die Daten durch die andere noch immer gesichert. Und da die Kosten nur geringfügig über denen herkömmlicher Einzel-Festplatten lagen, sollten uns drei der Maxtor-Flagschiffe auf die Reise begleiten. Wir haben dafür einen Aluminium-Koffer aus dem Baumarkt mit Schaumstoff ausgekleidet, um die drei backsteinschweren Platten im Handgepäck transportieren zu können. Dass das den Sicherheitsbeamten an den Flughäfen nicht ganz geheuer war, hatten wir uns ja schon fast gedacht. Zweimal hat man uns in Frankfurt aus der Schlange geholt, in einen bombensicheren Raum gebracht, und die Festplatten dort auf Sprengstoff untersucht. Da half auch kein unschuldiges Lächeln, um den Prozess zu beschleunigen ;)

Daten-Handling beim Dreh

Im Vorfeld haben wir oft gelesen und gehört, dass bei einem P2-Dreh ein Teammitglied ausschließlich für das Abladen und Sichern der aufgezeichneten Karten zuständig sein sollte – und sich wirklich um nichts anderes kümmern muss. Aus Kostengründen war dies bei unserem kleinen Dokumentarfilm nicht möglich, auch wenn wir jetzt – nach 3 Wochen Dreh – dies voll und ganz unterstützen und befürworten können ;) Dennoch haben wir einen Workflow gefunden, der in unserem dreiköpfigen Team reibungslos verläuft. Wenn wir mit den Karten arbeiten, kümmert sich der Tonmann um das Abladen auf das P2-Store, leere Karten gehen dann an Hanni, die Regisseurin, die sie aufbewahrt (auch weil sie meist als einzige noch eine Tasche bei sich tragen kann) und bei Bedarf an den Kameramann weiterreicht. Von Anfang an war die Regel: Bevor eine Karte aus der Kamera genommen wird (egal ob voll oder nur zum Teil), wird der Löschschutz verriegelt. Erst zum Formatieren im P2-Store wird die Verriegelung wieder gelöst. Auf diese Weise gibt es nie Verwirrung darüber, ob eine Karte bereits abgeladen wurde, noch formatiert werden muss oder bereits formatiert ist.

Panasonic P2-Store AJ-PCS060G

Das P2-Store selbst erweist sich dabei als gut durchdachtes und äußerst robust verarbeitetes Gerät. Einziger Nachteil: Die interne 2,5”-Festplatte fasst nur 60 GB Speicherplatz. Ein Umstand, der eindeutig noch aus den Anfängen der P2-Technik stammt, als nur 4 GB-Karten zur Verfügung standen. Damals konnte man bis zu 15 Karten auf dem P2-Store abladen. Mit den 8 GB-Karten sind es bereits nur 7 (also 56 GB), wodurch 4 GB ungenutzt bleiben. Im Falle der neuen 16 GB-Karten kann man sogar nur noch 3 Karten abladen, ganze 12 GB bleiben ungenutzt. Es wäre an der Zeit, dass Panasonic ein “größeres” Modell auf den Markt bringt, und bei 2,5”-Laufwerken sollten 100-120 GB auch kein Problem sein.

Der praktische Nutzen des P2-Store ist nicht von der Hand zu weisen. Volle P2-Karte in den Slot schieben, den extragroßen START-Button für 2 Sekunden gedrückt halten, und der Kopiervorgang beginnt. Mithilfe der Verify-Funktion, die sich zu- bzw. abschalten lässt, werden die kopierten Daten automatisch auf ihre Richtigkeit überprüft – also ob die Daten auf der internen Festplatte auch denen auf der Karte entsprechen. Die Übertragungsdauer verdoppelt sich dadurch, ist mit 14 Min./Karte aber noch äußerst moderat. Beim Drehformat von 720/25pN ist eine Karte abgeladen, bevor die nächste voll ist – selbst wenn wir non-stop filmen. Auch das Formatieren geht kinderleicht, ist jedoch so gelöst, dass es praktisch nicht versehentlich passieren kann. Es müssen mindestens zwei Knöpfe nacheinander (nicht gleichzeitig!) für 2 Sekunden gedrückt werden. Und der Button zum Formatieren des ganzen P2-Store lässt sich nur mit einem spitzen Gegenstand, z.B. ein Kugelschreiber erreichen. Das Formatieren einer einzelnen Karte dauert nur den Bruchteil einer Sekunde, das gesamte P2-Store ist in 15-20 Sekunden formatiert.

Während des Kopiervorgangs sollte das P2-Store (wie jede andere Festplatte auch) möglichst keinen Erschütterungen ausgesetzt werden. Gar nicht leicht, wenn man in the field & on the move arbeitet. Eine spezielle Funktion sorgt deshalb dafür, dass der Kopiervorgang sofort unterbrochen wird, wenn dem Gerät bereits geringste Erschütterungen widerfahren. In Erdbeben-Situationen muss man daher damit rechnen, dass der Kopiervorgang entsprechend länger dauert. Panasonic ist es außerdem gelungen, dass das P2-Store praktisch keine Störgeräusche von sich gibt.

Bei der Stromversorgung hat man ebenfalls mitgedacht. Das P2-Store kommt ohne eigene Stromversorung vom Händler, da es sich praktischerweise mit dem Netzteil der HVX200 bzw. mit handelsüblichen Panasonic-Akkus betreiben lässt. Der Stromverbrauch ist überschaubar. Wir hatten bisher keinen Drehtag, an dem wir für den Betrieb der Kamera und des P2-Store mehr als 3 der großen 5300mAh-Akkus benötigt hätten.

Allerdings: Nach sieben 8 GB-Karten ist Schluss! Das entspricht etwa 112 Min. Rohmaterial, die man bei dokumentarischen Arbeiten bisweilen schnell erreicht. Die Datenübertragung zum Rechner bzw. auf einen permanenten Festplattenspeicher erfolgt über einen USB 2.0-Anschluss. Hier wäre auch eine Nachbesserung mit einem zusätzlichen FireWire-Anschluss ratsam. Ursprünglich hatten wir vorgesehen, als Rechner zur Datenübertragung und zum Sichten ein 12”-Powerbook G4 einzusetzen. Doch aus irgendwelchen Gründen (vermutlich aufgrund der USB-Spezifikationen des Apple-Powerbooks) ist die Übertragungsdauer vom P2-Store auf den USB 2.0-Anschluss des Powerbooks um ein vielfaches länger als auf ein herkömmliches PC-Notebook - nämlich mehr als 180 Min. ohne Datenverifizierung. Dieser Umstand und die Tatsache, dass dem Powerbook ein PCMCIA-Kartenslot zum direkten Einlesen der P2-Karten fehlt, führte schließlich zur Entscheidung, auf ein PC-Notebook umzusteigen. Die reine Übertragungszeit vom P2-Store auf die Maxtor-Platten beträgt dann nur rund 60 Min. bzw. 8 Min./Karte. Eine einzelne Karte lässt sich über den PCMCIA-Slot sogar in nur 5 Min. auslesen und kopieren.

Focus FireStore FS-100

Immer dann, wenn wir in Situationen filmen, die eine längere bzw. kontinuierliche Aufnahmedauer erfordern, als mit den P2-Karten möglich wäre, kommt das FireStore zum Einsatz. Auf seiner 100 GB-Festplatte lassen sich rund 216 Min. unterbringen, was sich vor allem bei ausgedehnten Interviews als hilfreich erweist. Das FireStore wird per FireWire-Kabel direkt mit dem 1394-Ausgang der Kamera verbunden. Die Aufzeichnung erfolgt im FireStore, das man entweder über die FireStore-eigene Aufnahmetaste steuern kann – oder wie gewohnt über den Record-Button der Kamera. Im Menü der HVX200 lässt sich mit der Funktion ‘1394 EXT’ die Kamera so einstellen, dass der Datenstream, der sonst auf P2-Karten landen würde, über den FireWire-Ausgang ausgegeben wird. Bis wir das alles so weit hatten, waren jedoch auch wieder einige Tests nötig. Denn nachdem wir uns für unser Format 720/25pN entschieden hatten, stellte sich heraus, dass es das einzige Format ist, das die Kamera nicht per FireWire-Ausgang auf ein externes Gerät ausgeben kann! Nur die Formate 720/50p sowie 25p lassen sich ausgeben, was jedoch nur einer Aufnahmedauer von rund 108 Min. auf dem FireStore entspricht!

Erst mit einigen Tests konnten wir eine sichere Lösung finden, über die sich die Bedienungsanleitung des FireStore jedoch ausschweigt: Man wählt an der HVX200 das Format 720/50p, während das FireStore sich nur die nötigen 25 Vollbilder im nativen Modus abgreift und aufzeichnet. Dafür muss man in den Settings des FireStore den Modus “P2 PN” einstellen, was sich dadurch bemerkbar macht, dass die Aufnahmedauer von 108 Min. auf 216 Min. umspringt! Diese Funktion ist allerdings erst ab Software-Version 3.0 möglich, wobei das mitgelieferte Manual noch nicht up-to-date ist!

Wir können also nun im 720/25pN aufzeichnen, allerdings nur mit einer Framerate von 25 fps. Für Zeitlupen- und Zeitrafferaufnahmen müssen wir auf P2-Karte umsteigen. Erst mit der aktuellen Version 4.0 hat Focus Enhancements die Möglichkeit nachgerüstet, im nativen Modus variable Frameraten aufzuzeichnen. Wer das FireStore 3.0 hat, hat die Möglichkeit auf ein kostenloses Update über die Homepage von Focus. Für ältere Versionen, die auch noch nicht über die “P2 PN”-Funktion verfügen, werden zwischen 30 und 40 Euro fällig.

Die Arbeit mit dem FireStore ist praktisch und weniger zeitintensiv als mit Karten und dem P2-Store, allerdings merkt man nach einer Weile auch, dass es trotz eines stolzen Preises von rund 2000 Euro nicht ganz so gut verarbeitet und durchdacht ist.

Am auffälligsten ist wohl die Lautstärke. Im Gegensatz zum stillen P2-Store rauscht beim FireStore permanent ein Festplattenlüfter, der bei starker Hitzeentwicklung auch noch mal ein paar Dezibel zulegt. Das macht sich in lauten Situationen, im Freien oder an Orten, an denen der Ton in entsprechender Entfernung geangelt wird, nicht bemerkbar. In Interviewsituationen (eben gerade dann, wenn wir gezwungen sind, das FireStore einzusetzen!) ist es schon schwieriger – und in Innenräumen nahezu unmöglich -, das Lüfterrauschen nicht auf der Tonspur zu haben. Das ging bisher nur gut, wenn wir den Interviewpartnern Lavaliermikros anstecken konnten, die Umgebungsgeräusche praktisch ausgeblendet haben.

Ein Mikro in unmittelbarer Nähe der Kamera oder gar das interne Mikro, wenn’s mal schnell gehen muss, kann man bei laufendem FireStore praktisch vergessen.

Die Stromversorgung des FireStore erfolgt per Akku oder Netzteil. Der mitgelieferte Akku reicht für ca. 80 Min. im Dauerbetrieb, also nicht mal lange genug, um das FireStore zu füllen. Dafür gibt es den großen Zusatzakku, der für weitere 160-180 Min. reicht. Ein nicht unerhebliches Manko tritt dabei jedoch auf: In die Halterung für das FireStore, die sich per Blitzschuh oben auf die Kamera schrauben lässt, rastet das FireStore für gewöhnlich fest ein. Nicht jedoch mit dem großen Akku. Dann lässt sich das FireStore nicht richtig in der Halterung befestigen – und kann leicht herausrutschen, vor allem bei Handkamera-Aufnahmen, wenn nicht immer gewährleistet ist, dass die Kamera im korrekten Winkel gehalten wird!

Auch sonst machen sich kleine Abnutzungserscheinungen bemerkbar, obwohl das Gerät gerade mal vor drei Wochen zum ersten Mal ausgepackt wurde: Die Tastenbeschriftungen der am häufigsten genutzten Buttons lösen sich bereits, und das Zusatzladegerät für die Akkus lässt sich nicht ordentlich mit dem dazugehörigen Netzteil verbinden. Schon mehrfach mussten wir morgens feststellen, dass sich der Stecker über Nacht gelöst hat und die Akkus nicht geladen waren! Bei den hohen Kosten, die für das FireStore mit Zubehör anfallen, eigentlich ein Unding, dass solche Verarbeitungsmängel auftreten.

Anfangs wurden wir auch davor gewarnt, dass sich das FireWire-Kabel zwischen HVX und FireStore während der Aufnahme lösen kann, was einen Neustart der beiden Geräte erfordert (das FireStore braucht ungefähr 20-30 Sek. bis es gebootet hat!). Mit diesem Problem wurden wir hingegen nicht konfrontiert. Bei extremen Einsätzen kann das sicher vorkommen, mit einem Streifen Gaffertape lässt sich aber leicht dafür sorgen, dass die Steckverbindungen zusätzlichen Halt bekommen.

Die Datenübertragung vom FireStore zum Rechner erfolgt über einen FireWire-Anschluss. Wenn die 100 GB mal randvoll sein sollten (was bisher weniger häufig vorkam), muss man bei einem PC-Notebook mit einer Übertragungsdauer von 75 Min. rechnen.

Insgesamt waren wir bisher immer rund zwei Stunden beschäftigt, um am Abend sämtliche Daten von den diversen Festplattenlaufwerken, respektive Karten, auf die Maxtor-Hard Discs zu übertragen und zu katalogisieren. Das kann natürlich nach einem langen und anstrengenden Drehtag für etwas Unmut sorgen, wenn man sich dann noch mit solchen Aufgaben beschäftigen muss. Sicher wäre das weniger zeitintensiv, wenn man die Resourcen hat, bereits im Laufe eines Drehtages ein Teammitglied speziell für das Abladen und Katalogisieren der Daten abstellen zu können.

Unseren endgültigen Workflow in der Übersicht gibt es hier nochmal als PDF zum Download.

Bisher sind wir trotz mancher Tücken, Fallen und Stolpersteine mehr als zufrieden mit der Arbeitsweise der P2-Technik. Es sei jedem Ein- oder Umsteiger ans Herz gelegt, sich intensiv mit dem Formatdschungel und dem Workflow vom Dreh bis zur Postproduktion (!) auseinanderzusetzen und diverse Arbeitsmodelle zu testen.
Nachdem wir das anfängliche Chaos und die Unsicherheit überwunden hatten, läuft unser Workflow praktisch wie geschmiert. Zu Datenverlusten oder versehentlich formatierten Karten ist es bisher nicht gekommen. Außerdem möchte ich mir gar nicht vorstellen, wie zeitraubend und nervend es wäre, die vielen Stunden Rohmaterial nach dem Dreh einspielen zu müssen, hätten wir auf Tape gedreht. Die Möglichkeiten, die der direkte Zugriff auf die Daten bereits beim Sichten und Katalogisieren bietet, sind nicht von der Hand zu weisen.

Doch dazu in Kürze mehr in Teil 2 zum Thema P2 Viewer und Software von Drittanbietern

2 Kommentare zu “P2-Technik beim Dokumentarfilm (Teil 1)”


  1. 1 photizo

    Danke für den ausführlichen Drehbericht! Schickts doch gleich weiter an den “kameramann” ;o)
    Frohes Schaffen weiterhin!
    christian

  2. 2 Mary Koenig

    “Fire-Wire Anchluss” sounds pretty exciting. Gosh, I wish I could read German!

    Are any of you going to be at home in the first week of September? Rodney and I will be in Germany! We are making plans to visit cousins in Munich (Planegg) and in Reichmansdorff (Bamberg). Are you somewhere in-between?

    Warm regards,
    Mary Koenig

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