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2007 November Archive at Pretzels Polka and the Pursuit Of Happiness

Archive for November, 2007 Page 2 of 2



Ein Tag im Leben…

Am Wochenende hatte ich zum ersten Mal frei! Kein Dreh, keine Interviewvorbereitungen, keine Telefonate mit Protagonisten, kein Material sichten… Das war auch bitternötig nach fast vier Wochen Dauerstress. Ich will euch mal den Ablauf eines Drehtages beschreiben, denn selbst hier vor Ort werden wir verdutzt angeschaut, wenn wir erzählen, dass wir nicht mal Zeit für einen Kinobesuch am Abend finden.

Hier also Beispiel-Drehtag Nr. 20:
Freitag, 26. Oktober 2007
Houston/TX:

  • 7:00 a.m. Continental Breakfast im Motel in Houston: Wässriger Kaffee und 1 Banane pro Person
  • 8:00 a.m. Drehbeginn: Wir fahren immer und immer wieder die Skyline von Houston ab und versuchen im Berufsverkehr vom Highway aus einigermaßen unverwackelte Aufnahmen aus dem Auto heraus zu machen.
  • 10:00 a.m. Wir lassen das Auto in einem teuren Parkhaus Downtown stehen und machen uns mit Kamera und Stativ auf die Suche nach geeigneten Motiven in der Innenstadt, möglichst ohne uns von Security Officern oder Policemen erwischen zu lassen.
  • 12:30 p.m. Mit knurrenden Mägen suchen wir das nächstgelegene Fast Food Restaurant auf: Wendy’s. Während wir in einer recht langen Schlange warten, suchen wir uns unsere Burger-Combos raus. Ich bestelle natürlich wieder ein Sandwich, das sonst anscheinend nie jemand bestellt, jedenfalls dauert es geschlagene 15 Minuten bis es fertig ist. Alex und Matthias haben ihre Burger zu dem Zeitpunkt natürlich längst schon verdrückt. Ich schiebe mir also schnell das Sandwich zwischen die Zähne und trinke mein Dr. Pepper im Auto aus.
  • 01:00 p.m. Wir fahren in das Stadtviertel, in dem Rodney und Mary Koenig wohnen. Wir sammeln Schnittbilder vom Haus von außen und der umliegenden Neighborhood.
  • 02:00 p.m. Wie ausgemacht, kommen Mary und Rodney heute für uns früher als sonst nach Hause. Während sie sich umziehen, bauen wir unser Equipment für ein ausführliches Interview im Wohnzimmer auf. Mit Lichtaufbau und der Verlegung von Ansteckmikros dauert das rund 40 Minuten.
  • 03:00 p.m. Wir beginnen mit dem Interview, wissend, dass Mary sich bereits um 5 Uhr wieder fertig machen muss, um beim Aufbau einer am Abend stattfindenden Charity-Party zu Gunsten der Bach Society zu helfen.
  • 05:00 p.m. Mary wird aus dem Interview entlassen und geht sich umziehen. Wir bauen für ein Einzelinterview mit Rodney um.
  • 05:30 p.m. Interviewbeginn mit Rodney.
  • 06:30 p.m. Rodney zieht sich für die Charity-Party um und fährt los. Er überlässt uns die Schlüssel für das Haus, damit wir später nachkommen können. Die Party beginnt um 7 p.m. und wir wollten eigentlich pünktlich da sein, um den Auftritt einer deutschen A Capella Gruppe nicht zu verpassen… Aber wir müssen erst noch Schnittbilder im Innern des Hauses drehen, da wir keine Zeit haben werden, noch einmal nach Houston zu fahren. Die Pause, die längst vorgesehen (und auch nötig) ist, ist übrigens gestrichen.
  • 07:15 p.m. Wir packen unser Equipment zusammen, holen unsere Anzüge aus dem Auto und werfen uns innerhalb weniger Minuten in Schale. Auf der Einladung heißt es: Cocktailkleid oder Business Attire.
  • 07:30 p.m. Für die Snacks, die uns Mary als Trost für die gestrichene Pause in die Küche gestellt hat, ist keine Zeit mehr. Wir sehen zu, dass der Hund und die Katzen nicht mit davon laufen, während wir unser Equipment packen und düsen los.
  • 07:45 p.m. Ankunft beim Haus der Charity-Veranstaltung. 45 Minuten Verspätung. Wir laden unser Equipment aus und platzen mitten in die Gesangsdarbietung des Ensemble “Amarcord” aus Dresden rein. Kamera und Mikro an und los! Wir kommen gerade noch rechtzeitig, um wenigstens die Darbietung der letzten beiden Stücke festzuhalten. Danach fangen wir noch Bilder der Räumlichkeiten (eindrucksvolles Haus!) und der Partygäste ein, speziell von unseren Protagonisten. Natürlich werden wir allen möglichen Leuten vorgestellt, die uns immer wieder darauf hinweisen, dass wir uns doch auch was vom Buffet nehmen sollen… welches übrigens vorzüglich aussieht (italienische Antipasti und Tiramisu). “Thank you, but we have to work first! We’ll grab something later.” (Danke, aber wir müssen erst arbeiten, wir nehmen uns dann später was.) ist mittlerweile unser Standardspruch auf solchen Veranstaltungen geworden.
  • 09:45 p.m. Drehschluss! Die meisten Gäste sind bereits gegangen, die letzten sind gerade im Aufbruch. Wir kratzen die Reste vom Buffet zusammen und sitzen auf einem Sofa im Wintergarten - eine zerknautschte, ehemals Appetit anregende Tiramisu auf dem feierlich gedeckten Tisch neben uns. Die Bediensteten spülen die letzten Gläser und räumen nach und nach auch das Dessert weg. Viel geht in unsere Mägen eh nicht rein, nachdem das Mittagessen über 9 Stunden zurückliegt. Dann wird uns noch ein Six-Pack Beck’s Light zugesteckt, das man hierzulande aber nicht mal als Beifahrer während der Fahrt trinken darf. Alkoholische Getränke dürfen im Auto nur ungeöffnet mitgeführt werden.
  • 10:30 p.m. Equipment zusammenpacken und Aufbruch nach Austin. Die ersten zwei Stunden fahre ich, dann übergebe ich um 00:30 a.m. das Steuer an Alex, der die zwei Stunden schon mal vorgeschlafen hat erfolglos versucht hat, ein wenig zu schlafen.
  • 01:30 a.m. Ankunft in unserem Hauptquartier in Manor (bei Austin). Wir fallen hundemüde ins Bett und freuen uns auf ein komplett drehfreies Wochenende…

Das Wochenende wurde dann endlich mal sinnvoll genutzt: Shopping! ;) Die Klamotten sind hier zum Großteil wirklich billiger als bei uns in Deutschland - es lohnt sich also. Trotzdem ist Shoppen nicht mit Ausspannen vergleichbar, was vielleicht auch mal nicht schlecht gewesen wäre. Es hat trotzdem Spaß gemacht. Außerdem war endlich mal Zeit, die Abende mit Sarah zu verbringen. Da bin ich nun schon seit Wochen ihr Gast, die Augenblicke, die wir uns in dieser Zeit über den Weg gelaufen sind, lassen sich aber an einer Hand abzählen. Am Sonntag gab’s Dinner im Tokyo Steakhouse: Ein Samurai-aehnlicher Koch bereitet das Essen direkt am Tisch zu - inklusive flammendem Inferno - was schon fast als Performance Kunst bezeichnet werden kann ;) Auch das Publikum wurde miteinbezogen, also wir. Unsere Disziplin: “Flying Tokyo Shrimps” - Samurai-Koch wirft - wir fangen! Und zwar nur mit dem Mund! Mit Ausnahme von Matthias sind wir dabei allesamt klaeglich gescheitert. Alex’ Brille sah hinterher ungefaehr so aus wie die Windschutzscheibe unseres Mietwagens, nachdem wir durch das insektenreiche Ranchland hinter Fredericksburg gefahren sind.


Wenn wir uns nach diesem Wochenende zwar nicht unbedingt körperlich fitter fühlen, so doch zumindest seelisch. Mit guter Laune ging’s am Montag nach Downtown Austin, wo wir nochmals die beiden Studentinnen Erin und Louise auf dem UT Campus trafen. Und am Abend weiter nach Fredericksburg, wo wir Dienstag früh auf der Ranch von Presley und Vernell Arhelger drehen werden.

Yeehaw und gute Nacht!